Endometriose geht uns alle an

Vielleicht hast du schon einmal erlebt, dass eine Mitschülerin wegen starker Regelschmerzen im Unterricht gefehlt hat. Vielleicht betrifft das Thema deine Schwester, Freundin oder Partnerin. Oder du hast selbst während deiner Periode so starke Schmerzen, dass Schule, Sport oder Freizeit kaum noch möglich sind.

Starke Regelschmerzen sind nicht normal

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Trotzdem wissen viele Jugendliche kaum etwas darüber. Das möchten wir ändern. Denn wer die Krankheit kennt, kann Beschwerden früher erkennen, Vorurteile abbauen und Betroffene besser unterstützen.

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Quelle: Zeitbild Verlag und Agentur für Kommunikation GmbH

Starke Schmerzen während der Menstruation? Hör auf deinen Körper.

Während der Periode sind leichte Beschwerden nicht ungewöhnlich. Sehr starke Schmerzen dagegen sind kein Zeichen dafür, dass du dich „nicht so anstellen“ sollst.

Wenn du …

  • wegen deiner Periode häufig in der Schule fehlst,
  • regelmäßig starke Schmerzmittel brauchst,
  • dich übergeben musst,
  • Kreislaufprobleme hast oder
  • deine Schmerzen deinen Alltag bestimmen,

könnte eine Erkrankung wie Endometriose dahinterstecken.

Du bist damit nicht allein: Etwa jede zehnte Frau ist betroffen. Die ersten Beschwerden beginnen häufig bereits im Jugendalter. Trotzdem vergehen bis zur Diagnose oft viele Jahre.

Ich dachte, starke Regelschmerzen sind normal. Es ging lange Jahre so, bis ich die Schmerzen nicht mehr ausgehalten habe. Nach vielen Arztbesuchen kam die Diagnose: Endometriose.
Eline (17), Mitwirkende in der Filmreihe JUNG UND ENDO

Was passiert bei Endometriose?

Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter – zum Beispiel an Eierstöcken, Eileitern, Bauchfell oder an Blase und Darm. Dieses Gewebe reagiert auf Hormone und kann Entzündungen, Schmerzen und Verwachsungen verursachen.

Sobald die Schmerzen nicht mehr erträglich sind und den Alltag stark beeinträchtigen, sollte die Betroffene einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Auch wenn die Frau zunehmend und an mehreren Tagen Schmerztabletten einnehmen muss, um den Tag einigermaßen bewältigen zu können, ist das ein klares Warnsignal.
Dr. med. Mohamed Gamal Ibrahim, Endometriose-SpezialistDr. med. Mohamed Gamal Ibrahim, Endometriose-Spezialist

Typische Beschwerden

Nicht jede Betroffene hat die gleichen Symptome. Mögliche Anzeichen sind:

  • sehr starke Regelschmerzen
  • Unterbauchschmerzen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Durchfall während der Menstruation
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Rückenschmerzen
  • starke Erschöpfung
  • Schmerzen beim Sport oder Geschlechtsverkehr
  • ein aufgeblähter Bauch („Endobelly")
  • später möglicherweise Schwierigkeiten, schwanger zu werden.

Wichtig: Auch wenn du einige dieser Beschwerden hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du Endometriose hast. Lass deine Beschwerden ärztlich abklären.

Endometriose muss endlich ernst genommen werden! Es ist inakzeptabel, wenn Frauen ihre Beschwerden immer wieder ansprechen und weder die Frauenärztinnen und -ärzte noch das soziale Umfeld reagieren. Oder das Ganze wird heruntergespielt, nach dem Motto ,Regelschmerzen sind normal‘, ,Nun hab dich nicht so!‘ oder ,Da müssen wir alle durch!‘“.
Professorin Dr. med. Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriosezentrums der Charité – Universitätsmedizin BerlinProfessorin Dr. med. Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriosezentrums der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Was kannst du tun?

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Beschwerden nicht normal sind:

  • Sprich mit deinen Eltern oder einer Vertrauensperson.
  • Vereinbare einen Termin bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt.
  • Führe ein Zyklus- oder Schmerztagebuch.
  • Nimm deine Schmerzen ernst.
  • Suche dir Unterstützung.
Bei mir hat es über zwölf Jahre und rund 20 Gynäkologinnen und Gynäkologen gebraucht, bis ich endlich die Diagnose erhalten habe. Endlich wusste ich, dass ich mir die Schmerzen nicht eingebildet habe und dass ich meinem Körper vertrauen kann und weiß, wann etwas mit mir nicht stimmt. Man kennt in seinem Umfeld bestimmt mindestens eine betroffene Person. Lasst uns alle ein wenig sensibler und aufmerksamer durch diese Welt gehen!
Vivian Vanessa Wagner, Host von EndocastVivian Vanessa Wagner, Host von Endocast

Was hilft bei Endometriose?

Endometriose ist zwar bisher nicht heilbar, aber sie kann gut behandelt werden. Je nach Situation kommen unterschiedliche Möglichkeiten infrage:

  • Schmerztherapie
  • hormonelle Behandlung
  • Operation
  • Bewegung und Physiotherapie
  • Entspannungstechniken
  • psychologische Unterstützung
  • eine individuell angepasste Ernährung
Ich hätte mir gewünscht, schon als Jugendliche zu wissen, was Endometriose ist.
Lena, 27, Endometriose-Betroffene

Niemand sollte mit Schmerzen allein bleiben

Viele Betroffene erleben, dass ihre Beschwerden zunächst nicht ernst genommen werden. Vielleicht kennst du selbst solche Situationen oder hast sie bei einer Freundin oder Mitschülerin beobachtet. Dann folgen die typischen Aussagen:

"Das bildest du dir ein."

"Andere haben das doch auch."

"Stell dich nicht so an."

Solche Aussagen können verletzend sein. Deshalb ist es wichtig, Schmerzen ernst zu nehmen und Unterstützung zu suchen. Je früher Endometriose erkannt wird, desto besser können die Beschwerden behandelt werden.

Der Leidensdruck war ziemlich hoch, weil man die ganze Zeit im Dunkeln tappt … und man nicht so richtig weiß, was mit dem eigenen Körper los ist.
Anna Adamyan, Autorin und Influencerin

AUF DEM KLO

Quelle: Funk / “Auf dem Klo“ / youtube

Was kannst du als Freundin, Freund, Mitschülerin oder Mitschüler tun?

Auch wenn du selbst nicht betroffen bist, kannst du viel bewirken.

  • Höre zu und nimm Schmerzen ernst.
  • Vermeide Sprüche wie "Das ist doch normal."
  • Zeige Verständnis, wenn jemand wegen Beschwerden ausfällt.
  • Sprich offen über Menstruation und Gesundheit.
  • Hilf mit, Vorurteile abzubauen.

Jede und jeder kann dazu beitragen, dass Endometriose früher erkannt wird.

Als Endo-Peer möchte ich dazu beitragen, dass an unserer Schule offen über Endometriose gesprochen wird. Niemand sollte sich wegen seiner Beschwerden schämen oder das Gefühl haben, nicht ernst genommen zu werden.
Hannah (17)

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